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Lokalmeldungen

„Zu wenig selbstbestimmtes Leben auf dem Land“

Joachim Wiebring will Bürgerbus-Verein gründen / Befragungen in Düshorn, Bockhorn, Krelingen und Westenholz

„Menschen bewegen – Orte verbinden“, unter diesem Motto hat der Düshorner Versicherungskaufmann und Unternehmensberater Joachim Wiebring (56) eine Initiative gestartet, um einen Bürgerbus-Verein zu gründen. Ziel ist es zunächst, eine Bürgerbuslinie zwischen Westenholz, Bockhorn, Krelingen, Düshorn und Walsrode zu installieren. Sollte das klappen, liegt das Fernziel in der Bürgerbus-Versorgung des gesamten Stadtgebietes mit seinen Ortsteilen.

 

Düshorn. Joachim Wiebring ist weit gereist, hat in vielen deutschen Großstädten, aber auch viele Jahre Singapur, Schanghai, Seoul und Peking gelebt. „Ich war es immer gewohnt, mobil zu sein, auch ohne eigenes Auto. In den Großtsätdten brauchte ich mir gar nicht die Busfahrzeiten zu merken, da bin ich zu meiner nächsten Bushaltestelle gegangen und wusste, dass innerhalb der nächsten 20 Minuten ein Bus kommt.“ Das ist auf dem Land ganz anders. Da müssen ältere Menschen oft einen Nachbarn finden, der sie mit in die Stadt nimmt oder zum Arzt bringt. „Auf dem Land ist zu wenig selbstbestimmtes Leben möglich“, kritisiert der gebürtige Düshorner. Deshalb will er ein verlässliches Dienstleistungsangebot auf Basis von Ehrenamt und Bürgerinitiative aufbauen. „Denn gewerblich funktioniert der öffentliche Personennahverkehr oft nicht.“ Und die Kommunen bzw. der Landkreis seien finanziell nicht in der Lage, für ein adäquates Verbindungsnetz zu sorgen. Gelungene Beispiele für Bürgerbusvereine gibt es in Schwarmstedt und Visselhövede. „Was da funktioniert, könnte auch bei uns klappen“, so Wiebring. Das Prinzip ist einfach: Der Bürgerbus ist ein Kleinbus mit acht Fahrgastplätzen, der von ehrenamtlichen Fahrern gelenkt wird. Träger ist ein Verein. Das Land bezuschusst die Anschaffungskosten von 80.000 Euro mit 75 Prozent. Die Bürger müssten für den Löwenanteil der jährlichen Betriebskosten von rund 40.000 Euro aufkommen – und zwar durch Beiträge. Den Berechnungen von Joachim Wiebring liegen Zahlen zugrunde, wonach 400 Mitglieder jährlich jeweils 50 Euro Beiträge aufbringen müssten. Bei einem Fahrpreis von 2,50 Euro, einem Zweistunden-Takt und einer durchschnittlichen Auslastung wäre ein Ticketerlös von etwa 20.000 Euro im Jahr zu erzielen. Zunächst müsste die Stadt Walsrode aber bereit sein, auftretende Defizite bis zu 10.000 Euro im Jahr zu decken. Der Initiator will nach den Sommerferien in Düshorn, Bockhorn, Krelingen und Westenholz mit Bürgerbefragungen beginnen. Kontakt zu den Ortsvorstehern gibt es bereits. „Man sollte nicht vergessen, dass eine so verlässliche Beförderun auch touristische Bedeutung hätte. Außerdem handelt es sich um eine Steigerung der Lebernsqualität.“ Einzig und allein entscheidend sei die Frage, ob die Bürger so einen Bürgerbus wollen und ob sie bereit wären, einem Bürgerbusverein beizutreten. „Finanzier- und organisierbar wäre das Ganze.“

 

Artikel vom 02.08.2011